Gießener Anzeiger, 26.01.2015

Glanzvoll! International renommierter Trompeter eröffnet mit Formation „Quadrivium“ neue Gießener Konzertreihe

GIESSEN – Besonderes Glück hatten die Besucher des Konzerts von Markus Stockhausen im Herrmann-Levi-Saal am Freitag. Der international renommierte Jazzvirtuose eröffnete mit seinem Quartett „Quadrivium“ die neue Reihe der „o-tone-sessions“, und zwar in jeder Hinsicht glanzvoll.

„Die Konzertreihe wird national und international bekannte Künstler aus den Bereichen Jazz und aktueller Kunstmusik nach Gießen holen, die die mittelhessische Metropole bisher noch nicht auf ihrem Konzertkalender hatten“, sagte der Gießener Veranstalter Uwe Hager zur Begrüßung. Man hatte Glück zum Auftakt, denn Stockhausen, Jahrgang 1957, stand ursprünglich gar nicht auf dem Plan.
Der vielseitige Trompeter, der 2013 in der Marburger Marienkirche gemeinsam mit Tara Bouman mit seinem famosen Programm „Moving Sounds“ brillierte, spielte 2010 mit Ferenc Snétberger in der Lollarer Kirche ein grandioses Konzert. Am Freitag war seine Formation „Quadrivium“ neben Pianist Angelo Comisso und dem Gießener Christian Thomé am Schlagzeug um Cellist Jörg Brinkmann ergänzt. „Darauf hatten wir alle gewartet“, sagte Stockhausen.
Nach einem intensiven Free-Auftakt in „Es war einmal“ fand man zu jazzigem Klingen und Referenzen an die Klassik, ein bezeichnendes Gemisch. In „Flower of now“ krönte Stockhausen einen enormen Klanggipfel mit einem äußerst feinsinnigen Waldhornsolo, das er bis ins Rauschen der Belüftung absinken ließ und wieder hochholte – enorm wirkungsvoll, der Saal war mucksmäuschenstill.
Es gab dann noch sphärische Cellowolken, besonders in „Better world“. Brinkmann ergänzte den Instrumentenklang ganz sensibel um elektronische Dimensionen, in die er den Klang hineinwachsen ließ. Das Gesamtergebnis war vollkommen stimmig, so genau war die Interaktion der Musiker; Trompete und Cello verschmolzen gelegentlich, wobei sich ein gewisser hochwertiger Crooning-Effekt einstellte. Stockhausens wunderbar kantable Trompete oder Flügelhorn besitzen im Klang stets auch eine erzählerische Ebene. Das Publikum, im Nu in Bestlaune, applaudierte von Beginn an herzlich und anhaltend – man ging mit.
Das Konzert stellte klar die verschiedenen Beiträge aller Musiker in ein stimmiges Konzept, das dem Zuhörer ein elektrisierendes Musikerlebnis auf diversen Ebenen bot, wobei sich Pianist Comisso und Schlagzeuger Thomé durch ihre handwerklich und inhaltlich hochwertigen Beiträge als substanzielle Kooperateure erwiesen. Wohin man auch hörte in dieser enormen Vielfalt, es war stets exzellent. Glanzlichter in diesem musikalischen Höhenflug waren schwer auszumachen. Im Klassiker „Belfort“ etwa genoss man fantastisch sensible Effekte und ein extrem sensibles Miteinander, zusammen mit einem berückend schönen Klangerlebnis. Und stets konnte man selbst mitschwingen. In „Mondtraum“, in dem Cello, Klavier und Flügelhorn ihre Ebenen melodiös verschmolzen, führte das zu einem beruhigenden, fast meditativen Ergebnis. Das bot auch „Our Father“, Stockhausens Vertonung des Vaterunsers, das nach dem herrlich erzählerischen Part leichtfüßig in den Swing überging. Am Ende unerschütterlicher, massiver und langer Applaus, der ein besonderes Konzert belohnte. © Gießener Anzeiger Verlags GmbH & Co KG




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