Joyosa

Veröffentlicht 2004 | „Hochvollendeter Kammer-Jazz“ mit Markus Stockhausen, Ferenc Snétberger, Arild Andersen, Patrice Héral.

Veröffentlicht:
2004

Künstler:
Markus Stockhausen
Klavier, Synthesizer
Ferenc Snétberger
Gitarre
Arild Andersen
Bass
Patrice Héral
Drums, Perkussion

Tracks:
Gio 09:00
Basswave 05:17
Madhawi 06:48
Gomme 04:13
Joyosa 05:21
Mona 05:01
Freund 08:30
Our Father 06:55
Jasmin 02:52
The Walz 04:38

Label
Enja-Records, ENJ-9468 2

Erhältlich:
Amazon
Spotify



Pressestimmen

Hochvollendeter Kammer-Jazz

„Am Anfang ist da eine leise Befürchtung: Diese Aufnahme setzt so ätherisch klangvernebelt, so amorph obertonverliebt ein, dass man sich auf 58 Minuten esoterisches Geschwurbele gefasst macht. Doch dann erhebt sich aus dem Gebräu unversehens eine nüchtern gezupfte Gitarre, sekundiert vom Bass, der in der Folge selbstbewusst das Geschehen an sich reißt und mit sarkastischer Schwermut das Thema vorstellt. Das Leichte und das Schwere, das Fragile und das Derbe – auf eigentümliche Weise geht das alles zusammen bei diesem hochkarätig besetzten Quartett ohne Bandleader. Ein europäisches Dream-Team, ohne Frage. Da ist Markus Stockhausens Trompete, die mit deutscher Gründlichkeit Geschichten von eisklirrender Einsamkeit und stiller Zuversicht erzählt. Hinzu kommt der in Ungarn geborene Ferenc Snétberger, dessen Gitarre mal flirrend lospoltert oder sich in somnambulen Arpeggien verlieren mag. Norwegens Meister-Bassist Arild Andersen hält den beiden den Rücken frei bei ihren jubelnden Unisono-Salti; Frankreichs Schlagwerk-Nonkonformist Patrice Héral schlackert dazu verwundert mit den Fellen und Becken. Der Viererbund entdeckt mit seiner ersten gemeinsamen Einspielung „Joyosa“ Neuland auf der sattsam bereisten Landkarte der Weltmusik. Oder anders gesagt: dieser hochvollendete Kammer-Jazz findet geheime Transitstrecken zwischen Spanien, Brasilien, Osteuropa und Skandinavien. Ganz ohne Jetlag reist die Seele mit. Ein traumhaftes Debüt.” (Josef Engels in Rondo 3.4.2004)

Auf obersten Niveau

„Dieses Album ist ein Glücksfall. Denn für „Joyosa“ haben sich vier künstlerische Charaktere zusammengefunden, die Musik gemeinsam fließen lassen können. Markus Stockhausens Trompeten klingen zart und rein wie ein Knabensopran und entwickeln eine Aura, die durch ehrliche Empfindung und verblüffende ästhetische Sicherheit in Ausdruck und Wirkung betören. Ferenc Snétbergers akustische Gitarre strahlt eine Wärme aus, in der Figuren und solistische Ausflüge zu privaten Geschichten werden, an denen er die Zuhörer teilhaben lässt. Arild Andersens Bass ist ein akustisches Rückgrat, das dem Quartett Kraft gibt und es durch gewitzte Nuancen vor zu viel Schwermut bewahrt. Patrice Heral schließlich versteht sich mehr als Schlagwerker denn als Rhythmuslakaie und ergänzt die Musik durch dezent komplexe Muster, die mal sekundierend, mal kommentierend in das Geschehen eingreifen. Kammerjazz auf dem obersten Niveau.“ (Ralf Dombrowski in Jazz thing 4-5/2004)

Vereinigende Hingabe

„Wenn vier Musiker sich schon lange kennen und schätzen, aber noch nie in dieser Konstellation zusammen gespielt haben, dann kann, wenn es dann doch geschieht, die Sache eigentlich nur gut ausgehen. So ist es auch in diesem Fall. Joyosa ist eine ausgeruhte, sympathische Angelegenheit, bei der die Freude am klangvollen Miteinander trotz der eher ruhigen Musik aus jedem Ton blitzt. Patrice Heral ist ein diffizilste perkussive KIangschattierungen beherrschender Schlagzeuger, der im kammermusikalischen Gestus dieses Quartetts perfekt zur Geltung kommt, seinem eigenen Song Mona aber auch gehörig Drive verschafft und das mit Samba- Anklängen spielende ‚Gommé‘ von Ferenc Snétberger uptempo zu veredeln weiß. Snetbérger wiederum spielt die klassische Gitarre ohne missionarischen Eifer, ein unauffälliger Virtuose, der aber immer präsent ist. Markus Stockhausen ist als Jazz-Trompeter vielleicht immer noch ein wenig unterschätzt. Seinem ruhigen, klaren Ton geht alles Zirzensische ab, so dass selbst spektakuläre Unisono-Laufe mit Snetberger oder Andersen ganz beiläufig wirken. Und der skandinavische Bass-Riese Arild Andersen hat gleich vier Songs zur Session in Ungarn mitgebracht und beweist in Markus Stockhausens ‚Freund‘ wie nebenbei, dass er auch einem schlichten Walking Bass Feuer abzuringen weiß. Was alle vier hier vereint könnte, man Hingabe nennen – und die sollte dafür sorgen, dass Joyosa nicht überhört wird. Aber manchmal setzen sich ja die leisen Töne gegen die Marktschreier des Gewerbes durch.“ (Rolf Thomas in Jazzthethik 5/2004)

Kleines Meisterwerk

„Eine freudvolle, rundherum gelungene Angelegenheit ist diese Platte, ein Ohrenschmaus, wie man ihn sich üppiger nicht wünschen könnte. Die Musik dieses leiterlosen Quartetts ist, so man sie denn Jazz nennen will, Jazz vom Feinsten. Aber wie sonst sollte man sie nennen: Sie groovt unerhört, es gibt herzzerreißende Improvisationen, und die Musiker pflegen eine Art gegenseitiger Kommunikation, wie man sie nur von den besten Jazzern kennt. Fernab von allen Definitionsbemühungen gibt es also keinen Zweifel, dass dem Quartett ein kleines Meisterwerk gelungen ist.“ (Stephan Richter in Fono Forum 5/2007)

Umfassende Musikalität

„Für Joyosa braucht man Muse, Ferenc Snetbérger (Gitarre), Markus Stockhausen (Trompete), Arild Andersen (Bass) und Patrice Heral (Drums) legen Wert auf die leisen Töne. Behutsam nähern sie sich der Innenarchitektur des Klangs, ihre Ästhetik ist auf Dauer und Entwicklung zugleich ausgerichtet. Das funktioniert vorbildlich, weil alle vier Beteiligten von umfassender Musikalität und Respekt vor der Wirkung des Ganzen geleitet sind. Kammer-Jazz mit Seele.“ (Ralf Dombrowski in Stereoplay 4/2004)

Tiefe und Komplexität

„Diese drei Musiker zählen in Europa zu den Besten ihres Fachs: Trompeter Markus Stockhausen, im Jazz wie auch in der klassischen Musik zu Hause, der norwegische Bassist Arild Andersen und Patrice Héral, einer der vielseitigsten Schlagzeuger und Perkussionisten überhaupt. Seit 1998 bildeten sie ein festes Ensemble, das sich für sein furioses Debütalbum Karta mit dem norwegischen Gitarristen Terje Rypdal Verstärkung geholt hatte. Mit Joyosa erweitert sich das Trio nun zum Quartett, denn hinzugekommen ist der aus Ungarn stammende Gitarrenvirtuose Ferenc Snétberger. Wer Andersens erdiges Bassspiel kennt, weiß, dass er gerne den Kontrapunkt der „feinen“ Saiten sucht. Nur spielt Snétberger keine Stratocaster, sondern ein akustisches Instrument. Hier klingt sein Anschlag meist wie auf einer Spanischen Gitarre, mit der er sanft nach brasilianischen Harmonien fahndet. Joyosa ließe sich auch als eine Art imaginärer Folklore bezeichnen. Aber genauso gehen Pop und Jazz in der Imaginationskraft des Quartetts auf, die sich gängigen Beschreibungen entzieht. Bis auf die nachhallenden Loops der ge- stopften Trompete in „The Waltz“ haben sich Stockhausen, Andersen und Héral übrigens aller Effektgeräte entledigt. Im Gegensatz zu Karta, wo etwa Héral noch einen Boomerang- Phrase-Sampler einsetzte, geht es hier ausschließlich akustisch zur Sache. Dabei ist Joyosa ein ungemein entspanntes Album, das zwischen eher ätherischen („The Waltz“) und ausgesprochen groovigen Stücken („Freund“) einen ungeahnten Reichtum an Melodien entfaltet. Zugleich bietet es eine Tiefe und Komplexität, wie sie in dieser Mischung aus dichter Notation und einiger Improvisation spannender nicht sein könnte. Ein Traum von Musik, ein Album der leisen Superlative!“ (Roman Rhode auf Amazon.de-Redaktion)

Traumhaftes Zusammenspiel

„Joyosa in den CD-Player legen, die Augen schließen und einfach zuhören: ein gestrichener Bass, perkussive Klangmalereien. eine Trompete mit viel Hall gespielt und feinsinnige SingleNotas einer akustischen Gitarre. Der erste Gedanke: ECM-Sound, der zweite: immer noch. Das stimmt zwar nicht, aber Manfred Eicher hätte auch als Produzent für diesesexzellente Quartett und sein erstes Album verantwortlich zeichnen können. Vier Individualisten gelingt ein traumhaftes Zusammenspiel in Kompositionen mit oft melancholisch gefärbten Melodien. Es ist vor allen Dingen Stockhausens klare, aber nie strahlende, sondern immer ein wenig wehmutig klingende Trompetenstimme, die eine das ganze Album kennzeichnende melancholische Grundstimmung heraufbeschwört. Ferenc Snétberger setzt klassisch-heitere Gegenakzente, ECM-Urgestein Arild Andersen spielt seinen Bass eher als drittes Melodiedenn als Rhythmusinstrument und Drummer Patrice Heral verleiht dem Quartett subtilen Schwung. Joyosa – übrigens der Name eines spanischen Badeörtchens – gibt sich nordischkühl, hat aber Seele und intellektuellen Tiefgang gerade in der Art und Weise, wie die vier, die zuvor schon in verschiedenen Konstellationen im Duo gespielt haben, ihr unterschiedliches Musikverständnis zusammenbringen. Mehr von dieser Klangraffinesse!” (Heribert Ickerott in Jazzpodium 5/2006)

Gemeinsame Sprache

“Auf dem Cover spiegelt sich eine ruhig im See treibende Holzspindel zum vollen Kreis. Ein treffenderes Bild für die Musik des Quartetts Joyosa gibt es nicht. Markus Stockhausen, Ferenc Snetberger, Arild Andersen und Patrice Heral schaffen eine freudig entspannte Atmosphäre für Ausflüge in balladeske Klangforschungen bis hin zu latin-inspirierten Gipsy-Grooves. Möglich werden die außergewöhnlich stimmigen akustischen Miniaturen durch die enge Verbundenheit, das buchstäbliche Einverständnis der vier beteiligten Individualisten. Schon seit 1998 arbeiten der Trompeter Stockhausen mit seinem überaus reinen Ton, Bassist Andersen, dessen erdiger Sustain zu singen scheint und der unaufdringlich präsente Schlagzeuger Heral als Trio KARTA zusammen. Mit dem ungarischen Gitarristen Ferenc Snétberger unterhält Markus Stockhausen seit 1999 ein kongeniales Duo, wie Snétberger auch mit Heral in Duokonzerten zu erleben war. Die beeindruckende „Einstimmigkeit“ von Joyosa ergibt sich aus einem Miteinander europäischer Klangkulturen vom skandinavischen Lyrizismus bis hin zu maurisch-melismatischen Melodiebögen im perlenden Unisono von Flügelhorn und Gitarre, teilweise eingängig in die Formensprache des Pop und Jazz gefasst. Gleichzeitig stehen Joyosa souverän jenseits solcher Kategorien. Und darin gründet die stille Freude an diesem Album – Joyosa haben als Quartett eine gemeinsame Sprache gefunden und laden ohne Aufgeregtheit oder Effekthascherei auch beim x-ten Hören noch zum begeisterten Entdecken ein.” (Tobias Richsteig auf jazzdimensions.de 6.5.2004)


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