Alba

Veröffentlicht 2016 | mit Florian Weber und Markus Stockhausen

Alba ist das erste Album des seit sechs Jahren bestehenden Duos von Trompeter Markus Stockhausen und Pianist Florian Weber. Obwohl sich beide dem Idiom des Jazz aus unterschiedlichen Richtungen genähert haben, eint die Musiker ein tiefes Interesse am Prozess des kreativen Ausdrucks, der intensiven Suche, innen wie außen, nach Echos, Nachklängen, Einsichten.

ALBA release Konzerte

mit Markus Stockhausen und Florian Weber, Duo INSIDE OUT

28.4. Mönchengladbach, TIG – Theater im Gründungshaus
30.4. Budapest, Budapest Music Center
5.5. Ankara, Jazz Festival
19.5. Agathenburg, Schloss Agathenburg
20.5. Hannover Jazzclub
21.5. Lüdinghausen, Burg Vishering
31.5. Manchester, UK, Royal College of Music
16.7. Düsseldorf Asphalt Festival
3.11. Sarajewo Jazz Fest

Kritiken:

Was für ein Duo! Was für eine Harmonie! Der Pianist Florian Weber und der Trompeter Markus Stockhausen musizieren aus einem Herzen und einer Seele. Ihre Duette sind keine Begegnungen, sondern Frucht einer tiefen, gewachsenen, behutsamen Gemeinsamkeit, wobei sich ihre Melodien, ihre Rhytmen, ihre Phrasierungen so eng aufeinander beziehen, als stammten sie aus einer Quelle. Sie wirken – trotz erkennbar bis in Details ausgearbeiteter Passagen – so frisch, als sei jeder der 15 Titel einfach so improvisiert. So perfekt wie das Zusammenspiel ist auch der transparent, kristalline Klang der Instrumente Leicht und frei schweben die Gedanken dieses Duos: eine musikalische Traumreise voll Glück, Spannung und Zärtlichkeit. Werner Stiefele, Audio 05/16

Liebe läßt sich auf unterschiedlichste Art und Weise ausdrücken. Durch einen Blick, einen Kuss – oder eine Melodie. Pianist Florian Weber hat in die Kompostion „Emilio” für seinen Sohn so viel Zärtlichkeit und Nähe gelegt, dass man beim Hören regelrecht ergriffen ist. Auch in den übrigen Stücken entwirft Weber mit seinem Partner Markus Stockhausen (Flügelhorn und Trompete) große Gefühlspanoramen. Ihr Album „Alba” wirkt mal zerbrechlich, mal voller wilder Energie, immer aber vollkommen unverfälscht und klar. Diese beiden Musiker vertrauen sich blind. Hört man in jeder Sekunde. stern, 04/16

Erkundung von Klang und Stille, gleichberechtigter Dialog und die Schaffung von magischen Augenblicken durch intuitives Zusammenspiel, davon handelt dieser intime Kammerjazz. … Doch ob eher kontemplativ oder leicht gestimmt – was die Musik vor allem ausstrahlt, ist eine große Ruhe sowie klangliche und künstlerische Klarheit. Hier haben sich ganz ohne Zweifel zwei Gleichgesinnte gefunden. Bernhard Klostermann, Fono Forum 06/16

Man kann die 15 Stücke ihres Albuns wie eine durchgehende Suite hören und verstehen, wie 15 miteinander vereinte Plädoyers für Klarheit und Reinheit in der Musik, für die vielen Facetten und Tempi der unverstellten Schönheit. Auch wenn manche Komposition den Anschein des Verträumten hat, verlieren sich die beiden sensiblen Akteure nie, driften nicht ab, sondern bleiben konzentriert bei der Sache. Ihr manchmal mit neuromantischen Tonfall geführter inniger musikalischer Dialog überschreitet nie die Grenze zum Kitsch. Schönheit bleibt hier keine Oberfläche. SWP, Jazzthing 05/16

Veröffentlicht:
2016

Künstler:
Florian Weber
Piano
Markus Stockhausen
Flügelhorn, Trompete

Tracks:
1. What can I do for you? 4.52
2. Mondtraum 5.10
3. Surfboard 2.31
4. Ishta 4.43
5. Emergenzen 5.45
6. Barycenter 1.00
7. Emilio 5.40
8. Possibility I 1.50
9. Befreiung 4.54
10. Resonances 2.08
11. Die weise Zauberin 5.07
12. Synergy Melody 5.07
13. Better World 5.15
14. Zephir 6.25
15. Today 1.17

Label
ECM 2477

Im Handel erhältlich.



Alba

Inside Out - Markus Stockhausen & Florian Weber Alba ist das erste Album des seit sechs Jahren bestehenden Duos von Trompeter Markus Stockhausen und Pianist Florian Weber. Obwohl sich beide dem Idiom des Jazz aus unterschiedlichen Richtungen genähert haben, eint die Musiker ein tiefes Interesse am Prozess des kreativen Ausdrucks, der intensiven Suche, innen wie außen, nach Echos, Nachklängen, Einsichten.
Der Spannungsbogen ihrer Musik ist breit und reicht von der beschwingt-melodischen Gangart in „Befreiung“ über den gebrochenen Optimismus von „Better World“ bis zur kühlen Nüchternheit von „Die weise Zauberin“ und der fesselnd-introspektiven Stimmung von „Emilio“ (geschrieben für Florians Sohn). Bisweilen scheinen die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation zu verschwimmen, fast unmerklich sich verändernde atmosphärische Kontraste prägen die von großer Klarheit getragene Musik.
Ihren musikalischen Rapport entwickelten Stockhausen und Weber in Markus’ sechsköpfigem Weltmusik-Ensemble Eternal Voyage. Es folgten Auftritte als Duo in ihrer Heimatstadt Köln und eine Mini-Tournee in und um München. Zunächst wurde das gesamte Material von Stockhausen geschrieben, doch im Laufe der Zusammenarbeit begann auch Weber, eigene Kompositionen beizusteuern.
Anfangs experimentierte das Duo mit elektronischen Klängen, auf der Suche nach den „offenen Sounds“, die Stockhausen seit seiner Zeit in Rainer Brüninghaus’ Trio (mit Schlagzeuger Fredy Studer) Anfang der 80er Jahre faszinieren. Den auf dem Trio-Album Continuum (ECM, 1983) eingeschlagenen Weg ging Stockhausen mit seinem Projekt Aparis (mit Bruder Simon und Schlagzeuger Jo Thönes) konsequent weiter, wie die ECM-Alben Aparis (1990) und Despite the Firefighters’ Efforts (1993) belegen. Im Kontext des Duos wurde jedoch bald deutlich, dass Stockhausen und Weber akustisch einfach besser klangen: „Florian hat dieses ungeheure Gespür und die Möglichkeiten, den Klang des Klaviers zu modulieren. Damit standen so viele Klangfarben zur Verfügung.“
Auf „What Can I Do For You?“, einem ungewöhnlichen Eröffnungsstück, versetzt Weber den Zuhörer in eine ätherisch wirkende Klanglandschaft – er zupft und schlägt die Klaviersaiten, spinnt wie mit dem Weberschiffchen einen musikalischen Faden, der dann von Stockhausens gestopfter Trompete aufgenommen wird. Der Titel des Stücks ist eine Reverenz an den verstorbenen John Taylor, Florians ersten Klavierlehrer: „‚Was kann ich für dich tun?’ war immer seine erste Frage, wenn ich zur Stunde kam. Später wurde mir klar, dass er damit meinte: ‚Ich will dir nichts vorschreiben, ich werde darauf eingehen, was du tun möchtest.’ So habe ich John erlebt. In seinem genialen Zusammenspiel mit Kenny Wheeler ging es nie um Selbstdarstellung, sondern um etwas, das mit dem Ego nichts zu tun hat. Und ich glaube, bei uns ist das auch so.“
Zwei Stücke auf Alba sind Auftragskompositionen aus Stockhausens Feder: Die Melodie von „Mondtraum“ stammt aus „Olivers Abenteuer“, einem Liedzyklus für neunköpfiges Kinderorchester und Chor, und „Synergy Melody“ aus einem Ensemblestück für improvisierende Musiker, die auf Handzeichen des Dirigenten/Komponisten reagieren. „Zephyr“ wurde schon einmal in klassischerer Lesart mit der niederländischen Klarinettistin Tara Bouman aufgenommen und ist hier in einer neuen, wunderbar raumfüllenden Version zu hören.
Bei „Emergenzen“, einer komplexen, auf einem Polyrhythmus basierenden Melodie, dachte Weber an einen Sandstrand, „die Strukturen des Sandes und wie sie zustande kommen“ – durch minimale Einflüsse, „winzige Fluktuationen“, wie er es nennt, die Strömungen von Wind und Wasser, aus denen sich etwas Größeres, strukturell Veränderndes entwickelt.
Als Yin zum Yang von „Synergy Melody“ mit seinen getragenen Harmonien ist „Surfboard“ eine im Studio entstandene Improvisation, über deren schäumende und blubbernde Bewegtheit Stockhausen später ausgewählte melodische Passagen legte. Auf „Resonances“ blies Stockhausen Trompetentöne in den Korpus des Klaviers, deren Widerhall stehenbleibt, und auch die drei kurzen Klavierstücke „Possibility I“, „Today“ und „Barycenter“ sind spontane Schöpfungen.
Die erste Aufnahmesession beginnt bei Stockhausen immer mit improvisierter „intuitiver Musik“, ein Begriff, den sein Vater Karlheinz Stockhausen, Komponist und Pionier der elektronischen Musik, in den 60er Jahren prägte. Auf „Ishta“ führt Stockhausen dessen Konzept, keinerlei melodische oder harmonische Absprachen zu treffen, noch einen Schritt weiter, indem er nicht einmal gesprochene Anweisungen zulässt: „Keine Melodie, gar nichts. Damit öffnet sich Raum für Unerwartetes, für die Möglichkeit, zum Medium für etwas zu werden.“
Florian Weber gibt auf Alba sein ECM-Debüt. Der Gewinner des ECHO Jazz spielte mit Albert Mangelsdorff und begleitete mit seinem Trio Minsarah den großen Altsaxophonisten Lee Konitz auf drei CDs. Alba ist Markus Stockhausens erstes ECM-Album seit Karta (2000). Zuvor war er mit Gary Peacock auf Cosi Lontano…Quasi Dentro und auf Ralph Towners City of Eyes (beide 1989) zu hören. Seine Mitwirkung an Continuum, das 1984 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik gewann, brachte dem 26-jährigen Stockhausen erstmals breite Aufmerksamkeit. Für ECM New Series nahm er 1992 Michaels Reise auf, ein – wenn auch nicht so bezeichnetes – Trompetenkonzert seines Vaters. (Text: ECM)


Konzerte