Interview in der WELT am 7.1.2022

„Wir haben zu viele Verschwörungsleugner, die sich weigern, Hintergründe zu erforschen.“

Der Titel wurde von der WELT-Redaktion gewählt. Lesen Sie hier das Interview in der Originallänge, ohne die Kürzungen der WELT.
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WELT: Warum sind Sie Musiker geworden?

Markus Stockhausen: Ich liebe das Musikmachen, es ist das Schönste, was ich kenne, und ich will Menschen berühren und auch Hoffnung schenken, Mut machen. Es war mein Vorschlag, das Manifest des „Netzwerk Musik in Freiheit“ mit dem Zitat „Musik ist die Sprache der Seele“ des Sufi-Ordensgründers Hazrat Inayat Khan beginnen zu lassen.WELT: Wie kamen Sie zu diesem Netzwerk?
Stockhausen: Der Initiator ist der Kölner Saxofonist Roger Hanschel. Ich war in der ersten Unterstützergruppe dabei, dann ist das Netzwerk schnell gewachsen. An dem Manifest selbst wurde freilich lange gearbeitet. Aktuell gibt es 722 Mitglieder und 2.823 Mitunterzeichner, das ist also keine kleine Gruppe. Ich habe Hunderte Kommentare für die Website gesichtet und bin tief berührt vom Interesse der Menschen, von ihrer Betroffenheit und ihren Gedanken. Wir alle haben ein humanes Anliegen aus der Mitte der bürgerlichen Musikergesellschaft.

WELT: Wie setzt sich das Netzwerk zusammen?

Stockhausen: Da sind auch viele Musikpädagogen und freie Musiker dabei, die wegen der geltenden Regeln nicht mehr unterrichten oder auftreten dürfen. Weil sie nicht geimpft sind. Wir aber fordern in dem Manifest, es sollen alle, egal ob geimpft oder ungeimpft, am kulturellen Leben aktiv oder passiv als Hörer teilnehmen können. Die Kulturstätten waren nie Corona-Hotspots. Und nur ein sehr geringer Prozentsatz der Bevölkerung ist wirklich krank. Im Moment befinden sich weniger als 4000 (7.1.22) Covid-Patienten auf den Intensivstationen Deutschlands. Das sind circa 0,005 Prozent der Bevölkerung. Deswegen die strengen 2G- Regeln für alle festzusetzen, halte ich für unverhältnismäßig. Die Luft ist angsterfüllt.

WELT: Wieso?

Stockhausen: Die letzten Konzerte, die ich spielen konnte, waren wieder gut besucht. Es ist ein großes Bedürfnis nach Musik da. Gleichzeitig macht es mich traurig, alle Menschen da mit Masken sitzen zu sehen. Und die, die in die Konzerte kommen, sind fast alle geimpft. Aber ich vermisse die, die nicht teilnehmen dürfen, Fans und Freunde, die nicht geimpft sind. Das sind wichtige Menschen für mich, oftmals individuelle, freiheitsliebende Geister.

WELT: Aber sind nicht jene freiheitsliebend und solidarisch, die sich impfen lassen?

Stockhausen: Jedem Menschen muss das Grundrecht zugestanden werden, selbst zu entscheiden, ob er oder sie sich impfen lassen will. Und jeder kann persönlich Vorsorge treffen. Wenn man sich krank fühlt, sollte man selbstverständlich nicht ins Konzert gehen. Fair wäre eine Regelung, bei der alle Zutritt zu Konzerten haben, und sich alle vorher testen lassen. Dann würde niemand diskriminiert. Entweder man vertraut den Tests oder nicht. Schließlich können ja auch die Geimpften Viren übertragen. Es gibt viele andere Möglichkeiten, sich zu schützen, die nicht mit einer Impfung zusammenhängen. Für mich ist das generelle Impfen jedenfalls eine sehr fragwürdige Antwort auf die gegenwärtige Situation. Und in keinem Fall die Bestmögliche.

WELT: Allerdings ist erwiesen, das Geimpfte viel seltener andere anstecken, sollten sie selbst erkrankt sein. Was empfehlen Sie also als allgemeinen Umgang mit der Ansteckungsgefahr?

Stockhausen: Man sollte den Menschen viel mehr Eigenverantwortung im Umgang mit der Ansteckungsgefahr zutrauen. Vor allem sollten sie nicht dazu gezwungen werden, sich impfen zu lassen, wie es jetzt angekündigt wird. Man könnte viel mehr auf Vorsorge setzen. Das beginnt mit gesunder Ernährung und sportlicher Aktivität, und reicht bis zu natürlichen Heilmitteln und Tees, Vitaminen, auch ätherischen Ölen zur Desinfektion des Rachenraumes. Ich hätte mir gewünscht, dass darauf in Talkshows und Sendungen viel mehr eingegangen würde, auch in den Nachrichten. Darüber sollte jeden Tag berichtet werden, statt immer nur Angst zu verbreiten.

WELT: Nun gut. Und was empfehlen Sie den Virologen?

Stockhausen: Warum macht man nicht einen Wettbewerb: Wer findet die effektivste Präventions- und Behandlungsweise mit den geringsten Nebenwirkungen? Für mich ist die Impfung ein Mittel zweiter und dritter Wahl, der Propaganda der Pharmaindustrie und der Politik geschuldet. Es gibt andere Mittel der Medizin und der Naturheilkunde, die Covid beseitigen könnten. Das wird kaum publik gemacht, weil es leider eben bestimmte Interessen gibt.

WELT: Glauben Sie das wirklich?

Stockhausen: Glauben? Jeder kann sich informieren. Die zugelassenen Corona-Impfstoffe sind keine normalen Impfungen wie früher, sondern Geninjektionen, mit einer bedingten Zulassung durch die EMA. Die mRNA-Impfungen können toxische Reaktionen im Körper erzeugen, das eigene Immunsystem kann langfristig geschwächt werden, und die Impfungen schützen bekannterweise ja nicht einmal vor weiteren Infektionen. Warum wird versucht, bestimmte Inhaltsstoffe der Impfstoffe geheimzuhalten? Und warum übernehmen die Hersteller keinerlei Haftung für Nebenwirkungen?

WELT: Das klingt jetzt aber sehr nach Verschwörungstheorie. Bis jetzt sind weltweit gegen Covid-19 um die neun Milliarden Impfdosen verabreicht worden. Spätschäden der Impfstoffe wären der Wissenschaft inzwischen längst bekannt, wenn es sie gäbe. Und Fälle von schwerwiegenden Nebenwirkungen, zum Beispiel von Sinusvenenthrombosen, die zum Tod führen können, sind äußerst selten.

Stockhausen: Diese Impfungen und Greenpässe sind Mittel zum Zweck, sie können als erste Schritte zur globalen Datenerfassung aller Menschen dienen. Wo führt das alles hin? Es gibt ja viele Hinweise darauf, Stichworte Transhumanismus, „The Great Reset“, „New World Order“ und so weiter. Damit könnte man sich beschäftigen. Wohin fließt das Geld in der sogenannten Pandemie? Wer gewinnt? Wer verliert? Wo bleibt die öffentliche Debatte über diese wichtigen Themen? Verschwörungstheoretiker denken Sie? Ich erwidere: Wir haben zu viele Verschwörungsleugner, die sich weigern, die Hintergründe zu erforschen. Und irgendwann muss man auch mal sagen dürfen: Schluss jetzt, wir wollen das alles nicht. Ich entscheide mich auch gegen die Impfung, weil ich nicht in eine Abhängigkeit getrieben werden will.

WELT: Aha. Bleiben wir doch mal lieber bei Ihnen. Können Sie auftreten?

Stockhausen: Unterschiedlich. In jüngster Zeit wurde ich bei einigen Veranstaltern geduldet. Ich lasse mich auch immer testen. Im Dezember sind aber fünf Konzerte ausgefallen. Seminare muss ich vorerst online durchführen. Ich fühle mich solidarisch mit allen, denen jetzt Berufsverbote durch die 2G-Regel auferlegt werden. Das ist Diskriminierung. Warum machen wir als Reaktion keine Konzerte besonders für Ungeimpfte, mit Abstand, und sehen dann mal, wer sich denn nun wirklich infiziert? Wir sollten den Menschen die Freiheit lassen, die Selbstverantwortung. Es geht nicht, dass ein Staat sich das Recht herausnimmt, über meinen Körper zu bestimmen.

WELT: Und wenn die Impfpflicht kommt?

Stockhausen: Ich werde mich dem absolut widersetzen. Leider scheinen wir gerade in Deutschland und Österreich für diese Maßnahmen besonders empfänglich zu sein.

WELT: Wir sind aber hier doch gar nicht so empfänglich, sonst wären wir wohl viel besser durchgeimpft!

Stockhausen: Die Masse der Menschen scheint mitzumachen, sich dem Druck zu beugen. In Spanien, England oder Schweden handelt man viel moderater, lässt den Menschen mehr Freiraum und Selbstverantwortung. Die Deutschen neigen für mein Gefühl dazu, viel zu viel unhinterfragt zu akzeptieren und sich bevormunden zu lassen. Wieso sind wir mental so verfasst, was haben wir für ein Schicksal, dass wir wieder in so etwas hineinschlittern? Und, viel allgemeiner betrachtet, was sind das für Kräfte auf der Welt, die das Böse immer wieder hofieren? Böse heißt für mich, wissentlich Dinge zu planen und zu tun, die anderen schaden.

WELT: Das heißt, Sie selbst verstummen nach einer Impfpflicht?

Stockhausen: Das könnte auf mich zukommen. Auswandern will ich nicht. Warten wir ab,
was geschieht. Man kann doch nicht das Grundgesetz wegen einer kleinen Gruppe von gefährdeten Menschen außer Kraft setzen. Aber ich glaube nicht, dass die Impfpflicht kommt. Sie ist rechtlich höchst umstritten.

WELT: Finden Sie Erklärungen und Lösungen dafür, wie Sie die Welt sehen, auch im Werk Ihres Vaters?

Stockhausen: Mein Vater hat in seinem Opernzyklus „Licht“ die Figuren Michael, Eva und Luzifer gewählt, um die urmenschlichen Themen, darunter die Faszination des Bösen, zu thematisieren. So wie es schon Goethe in seinem „Faust“ tat.

Welt: War Ihr Vater ein Prophet?

Stockhausen: Wie man es betrachtet. Er hat in der Musik viele Neuerungen geschaffen. Er war zunächst Katholik, dann weiter ein Gott liebender, frei denkender, tief fühlender, spiritueller Mensch. Er wollte in vielen Werken die großen Menschheitsthemen aufgreifen, die kosmische Dimension des Menschseins. Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen, habe 25 Jahre mit ihm musiziert und viel von ihm gelernt, auch wie er Hindernisse oft auf ganz individuelle, kreative Weise überwand. Später ging ich eigene Wege.

Welt: Setzen sie solches auch kreativ um?

Stockhausen: Ich denke schon, z.B. in meiner sehr freien Musik will ich das zum Ausdruck bringen, wie in dem Projekt „Wild Life“, oder mit dem aktuellen, im Duktus etwas gemäßigteren CD-Projekt „Tales“ meiner Gruppe. Mich zieht es oft zur freien, intuitiven Improvisation, zur Erforschung dessen, was sich jenseits des Konstruierten und Mentalen hervorbringen lässt, durch Hinfühlen, Spüren, Offenheit, empathisches Miteinander beim Musizieren. Für mich hatte Musik – auch jenseits der gegenwärtigen äußerlichen Problematik – schon immer etwas sehr Weites, Spirituelles, sie schlägt eine Brücke zum Jenseitigen. Als universelle Sprache überwindet sie jegliche Spaltung. Musik ist für mich das wichtigste Element überhaupt, sie ist Nahrung und Heilung. Worte sind für mich hingegen zweitrangig.

WELT: Wie ist also gegenwärtig Ihre Befindlichkeit?

Stockhausen: Gelassen und handelnd zugleich. Mir scheint, wir befinden uns in einer Zeit der Apokalypse, in der die Wahrheit ans Licht kommen wird. In dieser Zeit muss sich jeder bekennen: Wofür stehe ich, wo will ich hin, welche Kräfte stärke ich durch mein Dasein und Tun? Begebe ich mich etwa in die Angst-Hypnose? Oder entscheide ich mich für Lebendiges, Verbindendes, Kreatives, Humanes, für Vertrauen? Für das „Wahre, Gute und Schöne“ – wie es mir Yehudi Menuhin schrieb, als ich ihn nach seinem Lebensmotto fragte. Musik steht für mich über allem, und das Menschliche wird siegen.