Markus Stockhausen, Solo I

Miniaturen von entrückter Schönheit

In den Improvisationen von Markus Stockhausen verdichten sich die Erfahrungen, die er in seiner mehr als 20jährigen Konzertlaufbahn gesammelt hat und nun in sehr persönlicher Weise zum Ausdruck bringt. Die Stücke wurden im Herbst 1999 und Frühjahr 2000 in den Kölner Kirchen St. Bernhard und St. Maternus aufgenommen.
Es ist allein der wunderbaren Akustik dieser beiden Räume zu danken, dass der Künstler die Töne über- und nebeneinander im Raum schichten konnte. Die Klarheit und Transparenz der Klänge ermöglichen eine unmittelbare Berührung der HörerInnen.
Die Zusammenstellung der CD „Markus Stockhausen, Solo I“ umfasst sieben Stücke; die Gesamtdauer der CD beträgt etwa 33 Minuten.
KLASSIK HEUTE gibt in ihrer Ausgabe von Okt. 2001 in allen drei Kategorien maximale Wertung: „Der 1957 geborene Markus Stockhausen zählt heute zu den vielseitigsten Trompeten-Solisten.“
Der Kölner Stadtanzeiger schreibt in seiner Ausgabe vom 15.6.2001 (Rubrik Kultur): „… Markus Stockhausen: Er strahlt meditative Ruhe aus. Die Musik wird gleichsam zum Zimmer, in dem Töne und Klänge wie ein riesiges Glasperlen-Spiel hängen. Und Licht durch hohe Fenster dringt… ‚Solo I‘ sind Miniaturen von entrückter Schönheit, man muss sich lediglich Ruhe zum Zuhören gönnen. Und das dauert nicht lange …“

Veröffentlicht:
2000

Künstler:
Markus Stockhausen
Trompete, Flügelhorn, Piccolotrompete, Vierteltonflügelhorn

Tracks:
Eröffnung 01:53
Besinnung 10:22
Leben 04:11
Wandlung 04:46
Werden 04:00
Auflösung 06:15
Und Tschüss 02:31

Label
Aktivraum, AR 100001

Erhältlich:
Amazon
iTunes
Spotify
…und im Handel.



KLASSIK HEUTE, 1. Okt. 2001

Markus Stockhausen – Solo I

Der 1957 geborene Markus Stockhausen zählt heute zu den vielseitigsten Trompeten-Solisten.

Er fühlt sich im klassischen und zeitgenössischen Trompeten- Repertoire ebenso zuhause wie im Jazz und im Bereich „intuitive Musik“. Seit 1974 arbeitet er außerdem eng mit seinem Vater Karlheinz Stockhausen zusammen, der für ihn zahlreiche Kompositionen konzipierte.
Das innovative Kölner Label Aktivraum veröffentlichte nun eine CD mit sieben assoziativen Solo-Improvisationen Stockhausens. Hier aktiv-impulshaft, dort ins Jazzige gehend, dann wieder meditativ, dem Ton der Linie nachspürend, korrespondieren Stockhausens Improvisationen ideal mit der Kirchenakustik.
Nicht zuletzt durch die Wahl verschiedener Instrumente (Trompete, Piccolo- Trompete, Flügelhorn, Viertelton-Flügelhorn) gelingen Stockhausen klanglich wunderbar differenzierte Innenwelten.
In diesen Improvisationen spiegelt sich die Persönlichkeit des Komponisten mindestens ebenso wie in fixierten Kompositionen. Diese in verschiedenen Kölner Kirchen produzierten Momentaufnahmen „intuitiver Musik“ begeistern und laden zum Lauschen und „Nachhören“ ein.
Künstlerische Qualität: eine herausragende Aufnahme (maximale Wertung)
Klangqualität: Hervorragender Klang (maximale Wertung)
Gesamteindruck: eine herausragende Produktion (maximale Wertung)

Clarino, 1. Sept. 2008

Markus Stockhausen, Solo I

Spannende Klänge, von melancholisch bis hin zu jazzig […] Die Improvisationen werden optimal von der Kirchenakustik unterstützt und meditative Klänge regen zum Nachdenken an…

Kölner Stadtanzeiger, 15. Juni 2001

Kunst am Kesselmundstück

Erst einmal ein Blick ins Lexikon: „Trompete, engl. trumpet (tp), Blechblas-Instrument mit Kesselmundstück, wird seit dem 19. Jh. in der heute noch üblichen Form als Ventiltrompete gebaut: mit drei Drehventilen oder drei Pumpventilen. Im Jazz sind nur Pumpventile gebräuchlich: Sie erlauben die »Half Valve Technik«, mit der ein Ton in der Tonhöhe und im Timbre verändert werden kann.

Die Trompete ist mit ihrem scharfen, durchdringender Klang das hervorstechendste Instrument des Jazz.“ So weit ein Auszug aus „Reclams Jazzführer“, Schulbuch-Lektüre zum Hausgebrauch. Doch in Wahrheit ist sie ja viel mehr im Jazz: Wir entdecken die Trompete mit Zug, die „Slides“ ermöglicht wie bei der Posaune. Wir hören den samtenen Ton, den gedämpften und ungemein verbogenen, abseits durchdringender Schärfe. Und das Blasen der Trompete birgt Verletzungsgefahr: Louis Armstrong – und nicht nur er – riskierte dicke Lippen (die immer wieder aufrissen), weil er ein Mundstück mit schmalem Rand benutzte, dieses offenbar mit Rillen versah, so dass das Mundstück nicht hin- und her rutschte. Die scharfen Kanten ritzten die Lippen auf, es bildete sich ein Narbengewebe, das entfernt werden musste. Was von Armstrong in Erinnerung blieb, ist neben seinem Spiel, klar, der Gesang, das weiße Taschentuch, das Lächeln – und die extrem verformten Lippen.
Was Nicholas Payton, Jungstar und wie Louis Armstrong aus New Orleans, am ersten wahren „King of trumpet“ fasziniert, ist der Geist, die Ausstrahlung von Satchmos Musik. Auf „Dear Louis“ fertigt Payton freilich keine Blaupausen von Hits wie „Potato Head Blues“, „Tight like this“ oder dem „West End Blues“. Es ist eigenständige Kunst. Louis‘ Reibeisen-Stimme vertritt Dr. John. Er und Dianne Reeves mimen Louis & Ella (Fitzgerald). Ein Elf-Mann-Orchester schließlich presst Oldtime in New Time: eine gelungene Symbiose.
Von all dem ist ein Einzelner Lichtjahre entfernt: Markus Stockhausen. Er strahlt meditative Ruhe aus. Die Musik wird gleichsam zum Zimmer, in dem Töne und Klänge wie ein riesiges Glasperlen-Spiel hängen. Und Licht durch hohe Fenster dringt. „Solo I“ sind Aufnahmen, die in zwei Kölner Kirchen entstanden (St. Maternus und St. Bernhard), auf Trompete, Flügelhorn, Piccolotrompete und Viertelton-Flügelhorn. Es sind Miniaturen von entrückter Schönheit, man muss sich lediglich Ruhe zum Zuhören gönnen. Und das dauert nicht lange.
Schnitt! Neues Spiel – und eine radikale Kehrtwende. Randy Brecker zündet das Groove-Feuer. Hitziger Ton, viel Soul und Drive, eine Top-Mannschaft (Michael Brecker, Richard Bona, Hiram Bullock, Don Alias, Joe Locke und so weiter). Es ist der hochprozentige Fusion-Cocktail, den man von den Brecker-Brothers kennt. Jedoch – etwas bislang Unbekanntes ist beigemischt: Randy Breckers Gesang. Als „Randroid“ (Gary Bartz verlieh ihm dieses Alter Ego) rappt er sich durch einige Songs. Die Texte, „ausgeflippte Gedanken und traumartige Fantastereien“ (Brecker über „Randroid“), schrieb er auf langen Reisen und in einsamen Hotelnächten nieder.
Doch was zählt, ist die Musik – und die swingt ungemein. Die Story des Jazz ist auch die Geschichte einiger tragischer Helden. Etwa die von Chet Baker. Nicht wenige halten seine Version von „My funny Valentine“ für die zarteste Versuchung, seit es die Trompete im Jazz gibt. Zwei Italiener ergehen sich in einer Reminiszenz an ihn – Enrico Rava und Paolo Fresu. Rava, Vaterfigur des Jazz in Italien, und Fresu, nächster Anwärter auf einen hohen Posten in der Liga Jazz, nehmen sich der Themen an, denen Baker seinen Stempel aufdrückte. Doch sie verweilen nicht im Schatten der Erinnerung, betonen ihre eigene, individuelle Linie, wenngleich im kühlen Stil der frühen Baker-Ära. Paolo Fresus Heimat ist Sardinien.
Dorthin verschlägt es ihn immer wieder. Aktuell nun auf „Sonos ‚E Memoria“, also „Klänge und Erinnerung“. Und die zeugen von einem musikalischen Schmelztiegel des Insel-Folk, von verschiedenen Kulturen. Es ist eine pralle, deftige Musik, voller Traurigkeit und Emotionen, von polyphonem Gesang (Elena Ledda), von Chören und typisch sardischen Klängen, aber auch zeitgemäßen Multi-Effekten. Roy Hargrove und sein Quintett ducken sich hinter einer Streicher-Armada. Getragenen Tons winden sich die Stücke dahin, das milde Aroma der Musik vernebelt die Sinne. Viel Rauch, viel Blendwerk, viele pastellfarbene Klangfarben, zu wenig Rauheit und scharfe Kanten. Doch wer es mag, der mag es eben. Goran Kajfes‘ Musik braucht keine Streicher, sie verströmt jenen verhangenen, elektronisch verstärkten Sound, der sich über Rhythmen legt und zu Samples haucht. Es ist ebenfalls eine Malerei in Tönen, aber im freien Stil, die ohne nennenswerte Themenform auskommt, eine Brücke schlägt über Ambient, New Age zu Jazz, eine Verbindung kreiert zwischen Vorder- und Hintergrund. Lebte Miles Davis noch, er wäre eifersüchtig.
Noch intensiver bettet Erik Truffaz sein Spiel in Elektronik. Der Trompeter bat unterschiedlichste Klangschneider aus dem Bereich der modernen Sound-Technologien um Beihilfe, so Pierre Audétat, Pierre Henry, Bugge Wesseltoft und „Mobile in Motion“. Heraus kam eine Musik, die in ein neues Zeitalter tritt, ohne die Tür zur Vergangenheit vollends zuzuschlagen. Sie schafft eine beständige Technicolor-Oase im Kopf – und kein dumpfes Gefühl im Bauch.
Am Ende der Reise durch ein abwechslungsreiches Land der Jazz-Trompete steht der Eidgenosse Franco Ambrosetti. Ein Urgestein, Fels in der Brandung verschiedener Strömungen, ein neugieriger Bewahrer der Tradition. Gemeinsam mit Chico Freeman und dem Reto-Weber-Percussion-Orchestra setzte er ohne verästelte Finessen musikalisch die Berliner Philharmonie (Jazzfest 1999) unter Dampf. Wer es nicht glaubt – eine Live-CD beweist es.


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