Musik und Liebe

Vortrag von Markus Stockhausen beim Heiligenfelder Kongress „Liebe“ in Bad Kissingen am 18.5.2017.

Ich begrüße Sie herzlich und freue mich sehr hier wieder zu Ihnen sprechen zu dürfen, mit Ihnen zu singen und zusammen mit Tara Bouman für Sie zu spielen.

Zunächst aber möchte ich Ihnen einige Gedanken zum Thema Musik und Liebe vorstellen.

Mein Motto ist: Durch die Gnade, Freude und Liebe des Höchsten ist alles Leben entstanden.
Liebe ist die verborgene und doch sich in allem offenbarende Urkraft des Absoluten, des Göttlichen, die mit einer unendlichen Weisheit und Kunst alles Leben belebt, ordnet, und immer neue Formen entstehen lässt, aus purer Freude und zur Beglückung für uns alle. Es ist das göttliche Spiel (in sanskrit: lila), sich immer wieder zu verbergen und wieder neu in Erscheinung zu treten.
Hinter der Welt der Erscheinungen liegt die Welt der Möglichkeiten und Energien, der Wirkkräfte. Und je tiefer wir vordringen zur Quelle des Seins, desto mehr nähern wir uns dem Urimpuls der Schöpfung, der Liebe ist und Freude, auch Seligkeit (Ananda) genannt.
Liebe manifestiert sich auf allen Ebenen. Auf der ganz physischen Ebene als Magnetismus, der die Teilchen miteinander in Beziehung treten lässt, als kosmische Harmonie, die die Planeten und alle Gestirne in vollkommener Ordnung hält, und als Anziehung auf menschlicher Ebene. Alle Beziehungen miteinander, auch die der Töne in der Musik, könnte man als verschiedene Grade von Liebe bezeichnen.
Der indische Musiker und Sufimeister Hazrat Inayat Khan sagte: Alles Leben ist Musik, und: Musik ist die Spache der Seele.
Musik hat die Möglichkeit, die mannigfaltigen Formen von Beziehungen und die damit verbundenen Gefühle in sehr schöner und reiner Form auszudrücken. Sie übersteigt das Mental-Konzeptionelle, sie kann tief verborgene Empfindungen hervorrufen, bringt die Seele zum Schwingen, lässt uns zuweilen die Göttliche Liebe und Schönheit fühlen, die Einheit der Schöpfung und uns teilhaben an ihren Wundern.
Wenn wir an Liebe denken, dann haben wir alle sofort eine Vorstellung, eine Erwartung von etwas Schönem, Erfüllendem, Gutem. Unmittelbar verbinden wir uns mit der göttlichen Urenergie. Einige werden vielleicht auch an Enttäuschungen denken, an Leid, dass durch missverstandene Liebe, oder durch nicht gewährte Liebe entstand. Doch im Grunde wissen wir alle: Liebe tut uns gut. Wir sehnen uns nach ihr, wir suchen und brauchen Liebe, immer wieder, und sind glücklich wenn wir sie empfinden dürfen.
Liebe ist immer da. Sie ist ein universeller Raum, den wir jederzeit betreten können – wenn wir bereit sind uns ihr zu öffnen.
Wenn wir Liebe im Herzen tragen, sind wir ein Segen für alle Wesen, nah und fern. Wir können zu einem bewussten Generator von Liebe werden, wie eine strahlende Sonne. Liebe, die von unseren Herzen ausströmt. Weil wir das wollen, weil wir das schön finden, uns danach sehnen und den Kreislauf der Liebe im Universum verstehen: denn je mehr wir geben (auf natürliche Weise, nicht verkrampft), desto mehr fliesst die Liebe zu uns zurück, oft ganz unerwartet von irgendwoher.
Beginnen wir bei der Liebe zu uns selbst. Versuchen wir alle Spannungen in uns zu lösen, zu erlösen. Mit anderen Menschen in der Gegenwart und in der Vergangenheit, mit unserer eigenen Vergangenheit, mit bestimmten Erlebnissen, mit uns selbst, denn am meisten sind wir mit uns selbst im inneren Konflikt. Wenn all diese Spannungen gelöst sind, wenn auch nur für kurze Zeit, dann stellt sich ein natürlicher Frieden ein, eine Lebensfreude, und ja, dann erscheint eine ganz grundlegende Liebe zum Leben, eine Lust zu leben.

Ein zur Liebe passendes Wort ist die „Resonanz“. Da entsteht ein Gleichklang, eine Harmonie zwischen zwei Elementen, und in diesem Gleichklang findet eine Übertragung von Energie statt, die wir als beglückend empfinden.
Resonanz – re-sonare. „Sonare“ heisst klingen, Re steht für das Höchste. Wir finden es in vielen Wörtern. Die Urenergie des Universums klingt in uns, re-soniert in uns.

Ich schaue am Morgen in einen Tautropfen am Grashalm, das Sonnenlicht spiegelt sich in ihm, ein Glücksgefühl steigt in mir auf. Die Resonanz mit dem Geschauten weckt in mir Klarheit, Reinheit, funkelnde Lebensenergie, die in mir ist.
Ein Lächeln, die Berührung eines lieben Menschen – wir sind bewegt, schwingen miteinander.
Immer dann empfinden wir Liebe, wenn ein Resonanzfeld entsteht, der besagte Gleichklang. Liebe zwischen Menschen ist das, Sympathie ist ein Gleichklang. Zwei Menschen finden zueinander, beginnen gleich zu schwingen, weil sie „auf gleicher Wellenlänge“ sind.
Dieses Resonanzfeld ensteht ganz oft durch Musik. Wenn uns eine Musik besonders gut gefällt, wenn wir andächtig lauschen, dann schwingt etwas in uns im gleichen Rhythmus, wir werden berührt und mitgenommen auf eine Reise, die uns verwandelt. Wir sind dann nicht mehr dieselben wie zuvor, sondern der Klang moduliert all unsere Zellen, dringt ein in unser Gemüt, etwas wandelt sich in uns. Eine seelisch-geistige Befruchtung findet statt.
Klang ist eine Manifestation des Unhörbaren, jenseits alles Begrifflichen. Die Musik, der Klang ermöglicht uns einen weiten, freien Raum des Verbundenseins. Das habe ich hier mit einigen von Ihnen im letzten Jahr erleben dürfen.
Worte können hilfreich sein, jedoch sind sie immer auch Begrenzungen. Gerne möchte ich mit Ihnen über das Verstehen hinausgehen und ins Erleben dieses Freiraumes kommen. Wir können gemeinsam tönen, auch mit geschlossenen Augen, und uns einleben in das Phänomen Klang, das uns bis in alle Zellen in Schwingung versetzten kann.
Wir erleben Gemeinsames, ein Verbundensein im Klang, eine Form von Liebe. Keine persönliche Liebe, aber eine Resonanz, eine harmonische Übereinstimmung, die wir alle spüren können.

Also, singen – oder tönen – wir gemeinsam, danach folgt eine kleine Stille, und dann spielen Tara Bouman und ich wieder intuitive Musik für Sie.

Ich danke Ihnen, dass Sie da sind !