Meinerzhagener Zeitung, 3.5.2014

Interview mit Moving Sounds

Meinerzhagen, vor einem Konzert von Moving Sounds

Herr Stockhausen, Sie werden zusammen mit Tara Boumann, dem Duo „Moving Sounds“, in der Meinerzhagener Jesus Christus Kirche ein Konzert geben. Was erwartet die Zuhörer? Was bedeutet „Moving Sounds“?
Wir werden eigene Kompositionen, improvisierte Musik und Intuitive Musik spielen, wobei wir uns zuweilen auch im Raum bewegen und die Schwingungen des Raumes mit seinen Reflexionen in den verschiedenen Bereichen der Kirche aufnehmen. Wir bewegen uns, die Musik bewegt sich im Raum und unsere Zuhörer sollen berührt und bewegt werden. Es wäre schön, wenn es uns das gelingt.

Sie spielen eigene Kompositionen, Improvisationen und Intuitive Musik. Was unterscheidet diese drei Formen für Sie und Ihre Zuhörer?
Improvisierte Musik richtet sich meist an vorgegebenem Material und vorgegebenem Muster aus und variiert diese. In der intuitiven Musik soll aber alles vorkommen können, was der Musiker im Jetzt ausdrücken will.
Der Begriff “Intuitive Musik” wurde ursprünglich von meinem Vater in den 60iger Jahren entwickelt. Es ist eine Musik, die eben nicht an vorgegebene Muster gebunden ist. Sie entsteht aus dem Inneren der Musiker, ihrer Gestimmtheit, der momentanen Inspiration, dem akustischen und qualitativen Raum mit der Präsenz des Publikums. Sie gibt dem Musiker die größtmögliche Ausdrucksfreiheit, gibt aber dem Spieler auch die ganze Verantwortung. Er entscheidet über Tonmaterial, die Form, den Ausdruck, die gesamte Gestaltung der Musik im Augenblick ihrer Entstehung.

Was würden Sie einem zeitgenössischen Komponisten entgegnen, der Ihre nicht an vorgegebene Noten gebundene Musik geringschätzt?
Intuitive Musik entwickelt ihren eigenen Charakter, im Augenblick der Entstehung und kann sich so in anderer Weise entfalten als fest notierte Musik, die zwar in einem gewissen Rahmen unterschiedlich interpretiert werden kann, aber doch an eine feste Form gebunden ist. Beides hat seine besondere Wirkung und seinen besonderen Stellenwert.

Warum konzertieren Sie gerne in Kirchen?
Kirchen sind ideale Räume für unsere Musik. In der entsprechenden Akustik kann sich der Klang unserer Instrumente besonders schön entfalten, sodass die gewünschte Wirkung bei den Zuhörern erzielt werden kann. Auch der sakrale Charakter von Kirchen unterstützt unsere musikalische Intention.

Die Jesus Christus Kirche in Meinerzhagen ist eine romanische Emporenbasilika. Oft spielen Sie auch in Köln in romanischen Kirchen. Gibt es da eine besondere Affinität?
Nicht nur in romanischen, auch in gotischen Kirchen kann sich unsere Musik wirkungsvoll entfalten.

Musikliebhaber sind oft festgelegt auf bestimmte Musikarten, z.B. Klassik oder Jazz. Können Sie mit Ihrer Musik verschiedene Vorlieben ansprechen?
Unsere Musik ist keiner bestimmten Stilrichtung zuordenbar. Wir stellen immer wieder mit Freude fest, dass sowohl Klassik- als auch Jazzliebhaber unsere Musik mögen, sich in ihr wiederfinden und ihre Schönheit empfinden können.

Tara Boumann spielt Klarinette und Bassklarinette, Sie drei verschiedene Trompeten. Sind das Instrumente, die für Stimmung und Akustik in einer Kirche besonders geeignet sind?
Vor dem Konzert proboieren wir aus, welches Instrument am schönsten klingt, oder welche Blätter tara auf ihren Klarinetten benutzen wird. Dann erkunden wir die Akustik der Kirche, suchen geeignete Standorte usw.

Was hat Sie dazu gebracht, die Trompete als „Ihr“ Instrument zu wählen?
Ich habe zunächst mit sechs Jahren Klavier gelernt, doch im Grunde habe ich bis zu meinem 12. Lebensjahr immer nur mit halber Lust geübt. Das wurde dann ganz anders, als mit 13 Jahren die Trompete hinzu kam. Sie war für mich ein Tor zur Welt, denn mit ihr konnte ich mit anderen zusammen spielen: in Bands, Big Bands, in Bläserquintetten, im Blasorchester, bei Turmmusiken oder Prozessionen. Ich war immer mit anderen zusammen und das hat mir den Kick gegeben, Musiker zu werden. Das Gemeinsame finde ich einfach schön.

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie: „Musik ist meine Weise, das Leben zu feiern“. Meinen Sie das könnte für alle Menschen gültig sein?
Nein, dafür sind die Menschen zu unterschiedlich, mit unterschiedlichen Lebenskonzepten und Schwerpunkten in ihrem Leben.
Musik ist für mich einfach das, was ich am liebsten mache. 80 Prozent meiner Energie geht dahin: üben, spielen und komponieren. Und gerade in den letzten Jahren habe ich mich immer wieder nach Situationen gesehnt, wo die Musik wie ein Ritual ist, wo Menschen in einem Konzert zusammen kommen und das Konzert wie ein Fest erleben. Wo Musiker zusammen mit den Zuhörern eine Energie aufbauen, die sich immer weiter steigert und sie gemeinsam vielleicht nicht nur in ein schönes, sondern in ein erhebendes Gefühl hinein kommen. Wo die Musik alle trägt und man das Konzert wie eine Feier erlebt.

Wir danken für das Gespräch.

Moving Sounds - Markus Stockhausen & Tara Bouman




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