Abendglühen

Für Solotrompete und Posaunenchöre
(Blechbläser aller Art, und auch möglich mit Holzbläsern und Saxofonen)
Komponiert für den Ev. Kirchentag 2007 in Köln

Am 6. Juni 2007 begann in Köln der 31. EVANGELISCHE KIRCHENTAG. Zum Tagesausklang gegen 22.15 Uhr spielten ca. 1800 Blechbläser unter der Leitung von Markus Stockhausen mit seiner Solotrompete sein Werk »Abendglühen«, das er für diesen Anlass komponierte.
Die beim »Abendglühen« beteiligten Bläserchöre waren auf sechs Standorte an beiden Seiten des Kölner Rheinufers zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzer Brücke verteilt, umgeben von vielen Besuchern, die mit ca. 150.000 Kerzen ein Lichtermeer bildeten.
In der Stille nach dem Abendsegen erklangen zunächst die Tuben. Ihnen folgten nach und nach die Posaunen und Trompeten. Gemeinsam legten sie einen Klangteppich über den Rhein, den Markus Stockhausen mit Improvisationen auf der Trompete bereicherte.
Die Komposition war so angelegt, dass es immer wieder auch kurze Pausen gab, in denen die Klänge der einzelnen Gruppen nachhallten. In diesen Momenten konnte die Größe des Areals erfahrbar werden. In anderen Augenblicken gab es Raum für Soloimprovisationen von Markus Stockhausen. Dieser ist bekannt für seine “Intuitive Musik”, freie Improvisationen, die er mit seiner Konzertreihe KLANGVISIONEN in der Kölner Südstadt etablierte.
Zur Improvisation eingeladen waren aber auch die einzelnen Mitwirkenden der Posaunenchöre. Mit langen Tönen und ruhigen Linien bildeten sie u.a. einen “Klang-Fluss”, der von Markus Stockhausen auf der Solotrompete begleitet wurde. Andere Teile von “Abendglühen” sind betitelt mit “In der Kraft”, “In der Freude” oder “Inneres Gespräch”. Gegen Ende schließlich sendete jeder einzelne Musiker seine ganz persönlichen Morsezeichen: “Hallo, mein Gott: Hier bin ich”. Langsam verloren sich die Klänge in der Nacht hinein.
Koordiniert wurden die einzelnen Gruppen durch Tara Bouman, die mit Markus Stockhausen auf dem Balkon des 5. Stockes des Lufthansahochhauses stand. Über Funkstrecken war sie mit den Dirigenten der einzelnen Gruppen verbunden und gab den Takt an.
Für das Projekt Abendglühen wurde in jedem Bläserchor eine Kerngruppe mikrofoniert. Diese wurde im Umkreis von ca. 180 m verstärkt. Die Solotrompete von Markus Stockhausen wurde zum Klang der Bläserchöre hinzugemischt und über alle Lautsprecher auf dem Gelände übertragen. Um dieses Projekt zu realisieren wurden rund um das Rheinufer an 17 Beschallungstürmen über 120 Boxen über Funk mit dem entsprechenden Signal aus über 100 Mikrofonen und sieben Mischpulten versorgt.

ABENDGLÜHEN

Für Solotrompete und Posaunenchöre
Dauer: ca. 25’

Besetzung:
Alle Arten von Blechbläsern
Trompete
Flügelhorn
Horn
Posaune
Euphonium
Tenortuba
Bassposaune
Tuba

Aktivraum Musikverlag, Köln 2007
ISMN: M-700233-21-1

Es können in einer erweiterten Version auch alle Holzbläser hinzukommen. So gab es eine Aufführung in Cividale del Friuli, Italien, im Juli 2015 mit 320 gemischten Bläsern.
Diese Version kann angefordert werden bei:
music



Godehard Lutz, in: Jazzpodium, 1. Sept. 2008

Abendglühen

Markus Stockhausen & Posaunenchöre der Ev. Kirche

Es war wohl für die Mitwirkenden und die Zuhörer ein einmaliges Erlebnis: 1800 Blechbläser, aufgeteilt in 6 Gruppen auf beiden Seiten des Rheins beim Eröffnungsabend des 31. Deutschen Ev. Kirchentags 2007 in Köln, aufgenommen mit über 100 Mikrofonen, übertragen über 17 Beschallungstürme mit über 120 Boxen.
Der bleibende Eindruck, den die Uraufführung der Auftragskomposition „Abendglühen“ mit Komponist und Trompeter Markus Stockhausen hinterließ, führte zur einer nachträglichen Studioeinspielung des knapp 25-minütigen Werks mit „nur“ 72 Bläsern und wiederum Markus Stockhausen als Solotrompeter und Leiter, die jetzt vorliegt . Aus einem sonoren Posaunengrummeln erheben sich anfangs „Aus der Tiefe“ immer neue Intervalle, aus denen sich nach einer Minute strahlend die Solotrompete schält.,, Auf der Himmelsleiter“ entschwinden die Bläser zuletzt in einem Stakkato von Morsesignalen, bis auch die leise Trompetenstimme in der Höhe entschwindet.
Die Monumentalität der Uraufführung lässt sich hier natürlich nur ahnen, es bleibt eine noch immer beeindruckende Erinnerung für die Teilnehmer und ein bebildertes Album für Freunde sakral getönter Blechbläserklänge.

Badische Zeitung, 13.2.2009

Eine Musik, die kleine Wunder wirkt

Zwischen Komposition und Improvisation, zwischen den Sparten Klassik und Jazz ist der exzellente Kölner Trompeter Markus Stockhausen zu verorten.

Das Projekt war gigantisch. Zur Eröffnung des 31. Evangelischen Kirchentages in Köln gab es vor zwei Jahren ein “Abendglühen”, das die 150 000 damals anwesenden Menschen so schnell nicht vergessen werden. Zum Tagesausklang spielten 1800 Blechbläser, eingeteilt in sechs Gruppen auf beiden Seiten des Rheins. Sie breiteten einen Klangteppich über dem Strom aus. Improvisationen einer Solo-Trompete schälten sich allmählich aus den Trompeten, Tuben und Posaunen heraus. Es waren der kristallene Ton und die komplexe Melodik Markus Stockhausens, der “Abendglühen” auch komponiert hatte.
Der Kölner Trompeter ist bekannt für seine, wie er es nennt, “intuitive Musik”. Dass Musik eine heilende Kraft habe, hat Stockhausen stets betont: “Unsere Erfahrung zeigt, dass eine solche Musik tatsächlich eine Art Wiederbelebung bewirken kann, dass sie kleine Wunder an Freude, neu geschöpftem Mut, an Vertrauen in die eigene schöpferische Kraft geben kann. Letztendlich sind unsere Töne lebendiges Gebet in neuer Klangsprache”. Das Opus “Abendglühen” ist inzwischen auf CD erschienen, freilich in einer abgespeckten Version. Sie wurde nachträglich im Studio mit 72 Bläsern eingespielt – dies mit einer Mischung aus innigem Pathos und glückseligem Harmonietaumel.
Stockhausens Projekte gehören seit Jahren zu den interessantesten der europäischen Musikszene. Wenige Wochen nach dem Kirchentag trat er im Rahmen der Bonner Ausstellung “Ägyptens versunkene Schätze” auf. Er nahm den Titel auf und brachte versunkene Schätze seiner musikalischen Biografie mit einem improvisierenden Jazzquartett ans Licht.
“Ich habe immer wieder das Konzept verfolgt von Gruppen, die möglichst auch ganz frei improvisieren können”, sagt Stockhausen, “nicht im Sinne eines Free Jazz, sondern einer Musik, in der auch Strukturen vorkommen können, wie man sie sonst komponieren würde”. In dem auf einer Doppel-CD dokumentierten Konzert schafft er mit seinen Kollegen Arild Andersen (Bass) und Patrice Heral (Percussionc) in spontanem Spiel klare Strukturen. Elektronisch aufgeheizt wird das Ganze durch den Synthesizer von Vladyslav Sendecky, der neu zu dem Trio gestoßen ist. Im Ton gestochen scharf, schafft Stockhausen einzigartige Stimmungen, die an Miles Davis erinnern, aber weit darüber hinausgehen. Lyrisches, schwebendes Spiel steht neben nervösen Free-Ausbrüchen, sanfte Flügelhorn-Hymnen neben drängenden Back Beats.
Wie gut Stockhausen auch Kompositionen mit Improvisationen zu verzahnen vermag, beweist er mit einem dritten Projekt, einem fünfsätzigen Werk , das er programmatisch “Symbiosis” nennt. “Das Zusammenleben ungleicher Lebewesen” lag ihm immer am Herzen; so verschmilzt er Klassik, Jazz und Neue Musik.
Kein Wunder bei einem Vater, dessen Musik sämtliche Grenzen sprengte und in dessen Ensembles der Sohn seit den siebziger Jahren auftrat. Unter dem berühmten Karlheinz Stockhausen hat Markus, wie er stets betont, nie gelitten. “Dass er ein ganz großer Einfluss in meinem Leben gewesen ist, ist unbestreitbar. Ein Mann von solchem Format muss im Leben eines jeden, der mit ihm in nähere Berührung kommt, einen Eindruck hinterlassen”.


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