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Magische Reise

 
Kritik aus: Kölner Stadt Anzeiger, 4. Juni 2009


Raumklänge

Magische Reise 

von Claudia Grosse

Trompeter Markus Stockhausen eröffnete mit seinen Klangvisionen die Pulheimer „Raumklänge“. Dabei verzauberte ein perfektes Zusammenspiel aus Licht und Musik das Publikum.

Pulheim-Stommeln – Nicht einmal der Musiker selbst weiß, was im Laufe des Abends geschehen wird. Scheinbar aus dem Nichts erklingt der erste Ton – leise, zart und doch das Kirchenschiff durchdringend. Eine Sequenz baut sich langsam auf. Klar ist der Trompetenklang. Nach und nach kommt Licht ins Spiel. Mit allen Sinnen taucht der Besucher ein in das Gesamtkunstwerk, wird hineingesogen in ein mystisches, meditatives, zuweilen melancholisches Stimmungsbild. Das alles ist improvisiert.

„Klangvisionen. Musik und Licht“ heißt die eindrucksvolle Performance, mit der Trompeter Markus Stockhausen und Lichtdesigner Rolf Zavelberg am Dienstagabend die Pulheimer „Raumklänge“ eröffneten. Erstmals steht multimediale Kunst im Mittelpunkt des Festivals für zeitgenössische Musik, das in der Kirche St. Martin in Stommeln noch bis Sonntag Außergewöhnliches zu bieten hat.

Alles andere als gewöhnlich war auch das erste Konzert der Reihe, bei dem vor allem eines wichtige Voraussetzung war: Man musste sich einlassen, musste mitgenommen werden wollen auf eine 100-minütige Reise, die frei von jeglicher Berechenbarkeit blieb.

Von Licht überströmt

Zunächst ist es nur ein warmer Gelbton, der die runde Leinwand im Altarraum erhellt. Dann erscheint die Silhouette des Musikers an der Wand des Kirchengemäuers, das nach und nach mit Licht überströmt wird. Langsam lässt der Trompeter ein Klanggebilde entstehen, das durch den überakustischen Raum zu schweben scheint. Virtuos spielt er die Skalen hinauf und hinunter. Der Raum wird heller, leuchtendes Sonnengelb erfüllt das Kirchenschiff. Abstrakte Schatten, in denen das Auge mal pflanzenähnliche Gebilde, dann wieder Gesichter ausmachen kann, fließen auf der kreisrunden Wand im Zeitlupentempo ineinander. Die Klangvisionen entspringen keinem Konzept, auf das etwa der Jazz auch in seiner größten Freiheit baut. Alles ist frei erfunden, entsteht im Moment. Und dennoch bleibt das Gefühl nicht aus, es mit einer bereits durchlebten Komposition zu tun haben. Und auch Rolf Zavelberg, der im Laufe des Abends 60 zuvor aufgebaute Scheinwerfer bewegt, kreiert sein Spiel aus Licht und Schatten im Augenblick. Er folgt dem Musiker mit leuchtendem Blau oder Sonnenuntergangs-Rot, wenn die Piccolo-Trompete erklingt. Das Kirchenschiff taucht ein in warmes Orange, wenn Stockhausen dem Flügelhorn das zarteste Pianissimo entlockt. Schließlich greift Stockhausen zum Becken und führt den Abend zu seinem kosmisch anmutenden Höhepunkt. Leise schwingt der Ton durch den Raum. Dann schwillt er an zum Getöse, zahlreiche Obertöne vermitteln den Eindruck einer Melodie. Spätestens jetzt ist man gefangen in einer mystischen Klangwelt, in einem Gesamtkunstwerk, das aufwühlt und zur Ruhe bringt zugleich. Kaum wagt das Publikum zu klatschen. Und tut es dann doch.

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